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#MiSA - Report: Der konsekutive Master als Karriereschritt in der Sozialen Arbeit? Vielfältige Gründe für die Studienwahl

In diesem Beitrag steht die Frage im Vorder­grund, welche Gründe für ein konse­ku­tives Master­stu­dium ausschlag­ge­bend sind. Der Artikel wurde von Rahel Müller de Menezes, Profes­sorin am Depar­te­ment Soziale Arbeit der BFH, und Margot Vogel Campa­nello, Profes­sorin und Studien­gangs­lei­terin eben­falls am Depar­te­ment Soziale Arbeit der BFH, verfasst und ist auf SozialAk­tuell erschienen.

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Soziale Arbeit ist ein Beruf, in welchem sich Fach­per­sonen mit komplexen Problem­si­tua­tionen ausein­an­der­setzen, was Wissen aus verschie­denen Diszi­plinen und zugleich eine begründete Legi­ti­ma­tion für die Eingriffe in das Leben der Adres­sat*innen erfor­dert. Ziel einer Ausbil­dung der Sozialen Arbeit ist es, Studie­renden eine breite thema­ti­sche und theo­re­ti­sche Fundie­rung und Vertie­fung zu den komplexer werdenden Problem­lagen der Adres­sat*innen zu ermöglichen. Auf der Ebene der Berufs­felder kann in den vergan­genen Jahren eine zuneh­mende Diffe­ren­zie­rung, sei es in Team­kon­stel­la­tionen oder Orga­ni­sa­ti­ons­formen, beob­achtet werden. Thomas Michel, Leiter der Abtei­lung Soziales der Stadt Biel, sagt dazu: «Um in diesem Umfeld zu bestehen, braucht es Fach­s­pe­zia­list*innen mit dem Blick für das Mach­bare und dem Elan, Veränderung zu gestalten. Absol­vent*innen des Masters in Sozialer Arbeit werden auf diese Heraus­for­de­rungen vorbe­reitet.»

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Eine starke Stimme

Seit dem Jahr 2008 besteht in der Schweiz die Möglich­keit, einen konse­ku­tiven Master­stu­dien­gang in Sozialer Arbeit zu absol­vieren. Ziel des Master­stu­dien­gangs ist es, die Profes­sio­na­li­sie­rung und Akade­mi­sie­rung der Sozialen Arbeit voran­zu­treiben und Sozi­al­ar­bei­ter*innen vertiefte analy­tisch-konzep­tio­nelle Fähigkeiten für Stabs- und Kader­funk­tionen in der Verwal­tung oder Non-Profit-Orga­ni­sa­tionen oder für eine Tätigkeit an einer Hoch­schule zu vermit­teln. Das drei­stu­fige Ausbil­dungs­an­gebot in Sozialer Arbeit wurde im Jahr 2022 mit dem Dokto­rats­pro­gramm an der Universität Neuchâtel in Koope­ra­tion mit der Fach­hoch­schule West­schweiz komple­men­tiert.

Der konse­ku­tive Master der Sozialen Arbeit ist gene­ra­lis­tisch ange­legt und zielt auf Gemein­sam­keiten in verschie­denen Berufs­fel­dern anstelle von spezi­fi­schem Fach­wissen, wie es in Weiter­bil­dungen vermit­telt wird. Eine breite, fundierte und wissen­schaft­liche Ausein­an­der­set­zung mit gesell­schaft­li­chen Problemen und eine theo­re­ti­sche Rückbe­sin­nung auf den Gegen­stand der Sozialen Arbeit bietet das Poten­tial einer starken Sozialen Arbeit, die sich in einen gesell­schafts­po­li­ti­schen und inter­dis­zi­plinären Diskurs einbringen und auf stetig wandelnde Heraus­for­de­rungen reagieren kann.

Eine wissen­schaft­liche Vertie­fung ist in diesem Sinne nicht an den dadurch ermöglichten Status­po­si­tionen orien­tiert – wie es der Karrie­re­be­griff nahe­legen könnte – sondern am eigenen Bildungs­pro­zess und damit verbunden einer soliden Analyse der gesell­schaft­li­chen Problem­kon­stel­la­tionen.

Gründe für einen konse­ku­tiven Master und Einblick in beruf­liche Verläufe

Absol­vent*innen des konse­ku­tiven Masters benennen unter­schied­liche Gründe für die Studien­wahl. Sie besu­chen entweder direkt nach dem Bachelor- den Master­stu­dien­gang, weil sie ihr Fach­wissen vertiefen möchten, oder sie möchten nach mehrjähriger Berufs­er­fah­rung ihr Verständnis und ihren analy­ti­schen Blick erwei­tern oder eine beruf­liche Veränderung anstreben.

Loretta Walther, wissen­schaft­liche Assis­tentin an der Berner Fach­hoch­schule, entschied sich kurz nach dem Bache­lo­rab­schluss für das Master­stu­dium, weil sie einen Beitrag an eine theorie- und forschungs­ba­sierte Weiter­ent­wick­lung der Praxis leisten will: «Ich hoffe, dass ich mit dem Master nicht nur ausführen kann, sondern auch mitge­stalten kann.» Nach ihrem Studi­en­ab­schluss möchte sie an einer Hoch­schule oder an einer Stab­s­stelle einer Verwal­tung theorie- und forschungs­ba­siert arbeiten. Sie kann sich auch vorstellen, ein Doktorat anzu­streben.

Die Mehr­heit der Master­stu­die­renden verfügt bereits über mehrjährige Berufs­er­fah­rung. So berichtet Henri­ette Grenacher, die langjährig als KESB Behörden­mit­glied tätig war, dass sie einen Wunsch nach einer Aus- oder Weiter­bil­dung und Hori­zon­ter­wei­te­rung verspürte. Sie hat sich wegen der gene­ra­lis­ti­schen Ausrich­tung für ein Master­stu­dium entschieden: «Ich habe mit dem Master­stu­dium kein konkretes Ziel verfolgt, der Master war jedoch das Tüpfchen auf dem i». Im Master­stu­dium hat sie neue Inputs erhalten und ihren analy­ti­schen Blick für die Metae­bene und Zusam­menhänge geschärft. Henri­ette Grenacher hat nun eine Führungs­po­si­tion im Straf­vollzug inne und coacht ihre Mitar­bei­tenden bei heraus­for­dernden Situa­tionen mit inhaf­tierten Frauen.

Melina Wälti, Gassen­ar­bei­terin und Co-Geschäftslei­terin im Verein Kirch­liche Gassen­ar­beit Bern, wollte nach mehreren Jahren Praxi­ser­fah­rung ihr Verständnis von der Sozialen Arbeit theo­re­tisch erwei­tern, um ihre Rolle und Legi­timität im Span­nungs­feld unter­schied­li­cher Anspruchs­gruppen besser begründen zu können. Sie sagt dazu: «Zudem ermöglichte mir der Master, mich als Fach­person der Sozialen Arbeit selbst­be­wusst zu posi­tio­nieren, um aktu­ellen Verschärfungen und Spar­mass­nahmen im Sozi­al­be­reich gezielt entge­gen­zu­treten und für gute Arbeits­be­din­gungen einzu­stehen.»

Es gibt auch Sozi­al­ar­bei­ter*innen, die sich nach mehrjähriger Berufs­er­fah­rung im Hinblick auf eine Führungs­auf­gabe oder Tätigkeit an einer Fach­hoch­schule für ein Master­stu­dium entscheiden. So sagt Daniel Flückiger, Leiter eines Sozi­al­dienstes: «Ich wollte mich weiter­qua­li­fi­zieren, um beruf­lich mehr Entwick­lungsmöglich­keiten zu haben.» Daniel Flückiger sieht sich als Gene­ra­list und war längere Zeit an einer Fach­hoch­schule tätig. Seine Stärken sieht er unter anderem darin, dass er über einen breiten Hori­zont verfügt, ein Flair für konzep­tio­nelle Arbeiten hat und dass er bei der Bera­tung seiner Mitar­bei­tenden bei heraus­for­dernden Situa­tionen in der Sozi­al­hilfe und im Kindes- und Erwach­se­nen­schutz Theo­rien auf prak­ti­sche Situa­tionen beziehen kann. Die Gründe für ein konse­ku­tives Master­stu­dium sind vielfältig und ein Master­ab­schluss eröffnet verschie­dene beruf­liche Optionen: Eine Führungs­po­si­tion, eine weiterführende wissen­schaft­liche Tätigkeit an einer Fach­hoch­schule oder auch konzep­tio­nelles, projekt­be­zo­genes Arbeiten in Praxis­or­ga­ni­sa­tionen sind möglich. In diesen Feldern können Master­ab­sol­vie­rende durch ihr erwor­benes theo­re­ti­sches und metho­di­sches Wissen und ihren analy­tisch geschärften Blick die Weiter­ent­wick­lung der Praxis und Diszi­plin berei­chern. Wie Thomas Michel, Leiter der Abtei­lung Soziales der Stadt Biel, sagt, bietet die Praxis viele (komplexe) Heraus­for­de­rungen, die Sozi­al­ar­bei­ter*innen angehen müssen und für welche gut ausge­bil­dete Fachkräfte essen­ziell sind.

 

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