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#MiSA - Report: Lernbegleitung für Bachelorstudierende mit Sprachniveau C1
Im Frühlingssemester 2020 wurde im Zusammenhang mit der Zulassung zum Bachelorstudium in Sozialer Arbeit das Mindestsprachniveau von C2 auf C1 gesenkt. Diese Änderung hat zur Folge, dass sich seither jedes Semester kontinuierlich mehr Studierende zum Studium anmelden, für die Deutsch nicht die Erstsprache ist. Die beiden Masterabsolventinnen Marisa Arn und Valentina Zarra nahmen sich mit ihrer Projektarbeit vor, bestehende Sprachbarrieren abzubauen und die Teilhabe der Studierenden zu stärken.
Im Rahmen des Kooperationsmasters in Sozialer Arbeit bildeten Marisa Arn und Valentina Zarra im Frühlingssemester 2024 ein Projekttandem zur Durchführung des Moduls Projektatelier (PAT). Innerhalb eines Semesters realisierten sie ein Projekt mit dem Titel «Entwicklung eines Tutoratskonzepts zur Lernbegleitung für Studierende mit Sprachniveau C1 im Bachelorstudium Soziale Arbeit (BSc Soziale Arbeit)». Anlass des Projekts waren verschiedene Situationen im Studienalltag, die im Speziellen für nicht deutschsprachige Studierende eine Herausforderung darstellen. Ob das schnelle Mitschreiben während der Vorlesung, das gesprochene Schweizerdeutsch in Gruppenarbeiten oder Schwierigkeiten beim Verständnis von literarischer oder akademischer Literatur: Für nicht deutschsprachige Studierende bedeuten viele Alltagssituationen eine zusätzliche Hürde.
Erste Schritte
Bereits im Oktober 2023 bildete sich innerhalb des Departements Soziale Arbeit eine interne Arbeitsgruppe zum Thema «Inklusiver Umgang mit Mehrsprachigkeit und Migration in der Lehre». Im Rahmen dieser Arbeitsgruppe fand im Dezember 2023 ein erster Austausch mit betroffenen Studierenden, Dozierenden sowie zwei Tutor:innen aus dem Bachelorstudium statt. Marisa Arn und Valentina Zarra befanden sich zu diesem Zeitpunkt in der Planungsphase für ihre Projekt-Akquise. «Wir wollten herausfinden, was die konkreten Bedarfe und Anliegen der Involvierten sind», sagte Marisa Arn. Im Zusammenhang mit der Aussage, dass Prüfungsformate schwierig seien, konnte seitens der Studiengangsleitung eine erste Massnahme ergriffen werden: Gemeinsam mit den beiden anwesenden Tutor:innen wurde niederschwellig und unkompliziert eine Gruppe zur Prüfungsvorbereitung gebildet. Die Tutor:innen trafen sich anschliessend an zwei Tagen mit den Studierenden und unterstützten diese bei der Vorbereitung. «Erste Rückmeldungen vom departementsinternen Tutorats-Team zeigten, dass die Lerngruppe von beiden Seiten geschätzt wurde», berichtete Valentina Zarra. So entwickelte das Team das konkrete Projektvorhaben: Die Lernbegleitung sollte aufgrund der positiven Rückmeldungen nachhaltig im Departement verankert werden können. Marisa Arn und Valentina Zarra entschieden sich, die spontan organisierte Lernbegleitung konzeptionell aufzubereiten und dazugehörige Schulungsmaterialien für Tutor:innen zu entwickeln.
Kurze Umfrage bei Studierenden und Tutor:innen
Um aus dieser ersten Lernbegleitung Massnahmen für die Projektarbeit abzuleiten, wurde ein Online-Fragebogen erstellt. Der Fragebogen für die Studierenden mit Sprachniveau C1, die bereits an der Lernbegleitung teilgenommen hatten, konzentrierte sich auf die Zufriedenheit, die Wahrnehmung der Durchführung und Optimierungspotenziale. Im Fragebogen für die Tutor:innen lag der Schwerpunkt auf der Gestaltung und Organisation der Lernbegleitung.
Die Umfrage ergab, dass die Studierenden mit Sprachniveau C1 mehrheitlich zufrieden waren und persönlich profitieren konnten. Sie schätzten das gemeinsame Wiederholen von Inhalten, das Klären von Fragen und das Durchgehen alter Prüfungen. Verbesserungsvorschläge betrafen eine intensivere und längere Lernbegleitung sowie eine frühere Terminplanung. Die Tutor:innen nahmen die Studierenden als interessiert, dankbar und lernbereit wahr. Als herausfordernd empfanden sie jedoch die Aufbereitung der Lerninhalte, die Terminkoordination, die fehlende Struktur und die grosse Gruppengrösse. Sie wünschten sich mehr formale Strukturen und Unterstützung. Insgesamt zeigten die Ergebnisse positive Erfahrungen, aber auch Verbesserungspotenziale in der Organisation und Struktur der Lernbegleitung.
Entwicklung von Konzept und Schulungsunterlagen
Das Ergebnis des Projekts stellt ein umfassendes Konzept dar, darauf basierende, vollständig entwickelte Schulungsunterlagen sowie die Durchführung der Schulung für Tutor:innen. Bei der Entwicklung des Konzepts und der Schulung wurden die Ergebnisse der kurzen Umfrage berücksichtigt. Die Schulungsunterlagen wurden auf der Grundlage des vom Tandem erstellten Konzepts sowie in Anlehnung an die bestehenden Schulungsunterlagen für Tutor:innen entwickelt. Dieses Konzept umfasste mehrere zentrale Elemente:
- Ausgangslage und Zielsetzungen
- Struktur und Inhalte der Schulungen
- Methoden und Ansätze
- Zeitplan und Ablauf
Ein weiterer wichtiger Schritt war die Erstellung der Schulungsmaterialien. Diese Materialien wurden so gestaltet, dass sie die Tutor:innen optimal auf ihre Aufgaben und Rollen vorbereiten und ihnen praktische Werkzeuge an die Hand geben, um Studierende mit Sprachniveau C1 effektiv zu unterstützen. Die Schulung für Tutor:innen fand am 21. Mai 2024 statt. Die Lernbegleitungen starteten Ende Mai und dauerten bis Ende Juni Das PAT dauerte ebenfalls bis Ende Juni. «Es wäre nun spannend, die Lernbegleitung in einem zweiten Schritt zu evaluieren», sind sich Arn und Zarra einig.
Rück- und Ausblick
«Die enge berufliche Beziehung zur Praxispartnerin erleichterte die Kommunikation und die Entscheidungsfindung enorm», bestätigten Arn und Zarra. Beide sind neben ihrem Masterstudium als wissenschaftliche Assistentinnen an der OST tätig. Perspektivisch können sich Arn und Zarra gut vorstellen, dass die erarbeiteten Inhalte in das bestehende Tutoratskonzept des Departements Soziale Arbeit der OST implementiert werden. Auch eine Weiterführung des Angebots im Herbstsemester 2024 steht im Raum.

