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#MiSA Chat – Schreiner, Bachelor, Master. Ohne Zwischenhalt
Kilian Steiner hat sich für den Direkteinstieg ins Masters-Studium entschieden. Gleichzeitig arbeitet er als Sozialpädagoge in einer Notaufnahmegruppe für Jugendliche im Berner Kompetenzzentrum Schlossmatt. Im #MiSA Chat verrät er, warum diese Entscheidung goldrichtig war und was ihn am Studium wirklich begeistert.
Was hat Sie zu Ihrem Master-Studium motiviert?
Kilian Steiner: Ursprünglich habe ich eine Lehre als Schreiner gemacht. Im Rahmen meines Zivildienstes arbeitete ich mit straffälligen Jugendlichen zusammen. Über mein Handwerk konnte ich mit ihnen in Kontakt treten. Doch schon dort kamen Fragen auf: Welche Umstände haben dazu geführt, dass diese jungen Menschen hier hingekommen sind? Was hat ihre Familie, ihr Umfeld, ihre sozio-ökonomische Stellung damit zu tun? Das wollte ich genauer wissen.
Im Bachelor habe ich das Handwerk der Sozialen Arbeit gelernt. Der Master ermöglicht mir nun, meine Fragen auch auf der institutionellen Ebene vertiefter zu beantworten. Es hilft mir bei der Arbeit, wenn ich besser verstehe, wie sozialpolitischen Einflüsse auf meine Institution und damit auch auf meine tägliche Arbeit wirken.
Warum haben Sie direkt nach dem Bachelor weitergemacht?
Noch bin ich nicht so stark in berufliche und private Verpflichtungen eingebunden und deshalb flexibler. Ich habe auch beobachtet, dass einige erst den Master beginnen, wenn sie schon die Führungsposition haben und dann ressourcenmässig stärker herausgefordert sind, als ich das zurzeit noch bin.
Was versprechen Sie sich von Ihrem Master-Studium?
Ich habe kein konkretes Karriereziel. Mir geht es eher darum, dass der Master mir Türen öffnet und ein stabiles Fundament schafft, auf dem ich dann meine Zukunft bauen kann, ohne mich jetzt schon auf ein Handlungsfeld der Sozialen Arbeit festlegen zu müssen. Für mich steht vielmehr die fachliche Vertiefung und Professionalisierung im Vordergrund. Der Master ermöglicht es, Praxiserfahrungen stärker mit wissenschaftlichen Perspektiven zu verbinden.
Wie praxisnah erleben Sie das Master-Studium?
Sehr praxisnah. Die Grundlagenmodule sind recht wissenschaftlich ausgerichtet, aber in den Vertiefungsmodulen geht es viel stärker um konkrete Fälle, Projekte und Situationen. Das Studium ergänzt meine Praxis sehr gut und optimiert meine Lernkurve im Beruf. So habe ich zum Beispiel in einem Leistungsnachweis partizipative Prozesse in meiner Wohngruppe untersucht. Dabei konnte ich Wissenschaft direkt mit meinem Berufsalltag verbinden. Dies ermöglichte mir, mit einer gewissen Aussenperspektive und einem wissenschaftlichen Blickwinkel viele neue Aspekte an meinem Arbeitsort zu erkennen.
Wie lässt sich Ihre Berufstätigkeit mit dem Master vereinbaren?
Für mich ist es gut, zweigleisig zu fahren. So bleibe ich fachlich und persönlich am Ball. Allerdings braucht es gute Organisation, um die Termine im Griff zu haben, besonders gegen Semesterende kann es schon streng werden. Auch der Arbeitgeber sollte sich flexibel zeigen, da die Modultage in jedem Semester ändern. Ich habe bei Stellenantritt schon gleich kommuniziert, dass ich im Master weiterstudieren möchte.
Man muss immer wieder Prioritäten setzen, auch bei der Freizeit. Einerseits sollte man sich selbst gut kennen, wie resilient bin ich und wie wichtig ist mir das Studium. Ich kann ja selbst wählen, wie viele Module ich pro Semester absolvieren möchte. Meine Ausbildung als Schreiner prägt dabei auch meine Arbeitsweise: strukturiert und präzise arbeiten, Abläufe planen und flexibel auf Situationen reagieren. Diese Haltung übertrage ich heute auch auf meine sozialarbeiterische Praxis und mein Studium.
Haben Kommiliton*innen merklich mehr Praxiserfahrung als Sie?
Einige meiner Kommiliton*innen bringen tatsächlich mehr Berufserfahrung mit, teilweise auch in Leitungspositionen. Ich erlebe das jedoch nicht als Nachteil. Im Gegenteil, der Austausch mit unterschiedlichen Praxiserfahrungen ist sehr bereichernd und wir stärken uns gegenseitig.
Wie sehen Sie Ihre Entscheidung jetzt? Würden Sie noch immer den Direkteinstieg wählen?
Ja, ich würde mich wieder so entscheiden. Besonders bereichernd finde ich den Austausch mit anderen Studierenden und Fachpersonen aus unterschiedlichen Handlungsfeldern. Viele Themen werden erst im gemeinsamen Erfahrungsaustausch zwischen Sozialpädagogik, Sozialer Arbeit und sozio-kultureller Animation greifbar. Das muss ich sagen, die Master-Broschüre löst ihr Versprechen ein. Man kann sich im Studium mit anderen Sozialarbeiter*innen toll vernetzen, dabei den eigenen Horizont erweitern und auf innovative Ideen kommen. Das ist das, was mich am Studium begeistert.
Für wen ist der direkte Einstieg ins Master-Studium zu empfehlen – und für wen eher nicht?
Es ist für alle geeignet, die die Energie haben und es mögen, sich auf wissenschaftliche Fragestellungen einzulassen. Nach meinem Eindruck profitiert man vom Master aber besonders, wenn man Teilzeit studiert, weil man dann direkt Theorie und Praxis verbinden kann. Manche Menschen profitieren davon, zuerst Praxis zu sammeln und später wieder ins Studium einzusteigen, während andere eher den Anschluss verlieren. Wichtig ist deshalb, den eigenen Lernrhythmus und die eigene Motivation gut einzuschätzen. Meine wichtigste Message: Achtet darauf, dass das Studium zu Eurer Lebenssituation passt.
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