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#MiSA - Event: «Wir können auf die Sozialarbeitswissenschaft als Disziplin stolz sein!»
An der diesjährigen Herbstdiplomfeier der OST – Ostschweizer Fachhochschule vom 19. September 2024 wurden in der Tonhalle in St.Gallen zwei Masterdiplome und 92 Bachelordiplome der Sozialen Arbeit verliehen. Der Masterabsolvent Livio Capol hielt an diesem feierlichen Anlass die Festrede.
Capol bestritt den Master in Sozialer Arbeit an der OST in nur drei Semestern; eine rekordverdächtig kurze Zeit. Aktuell ist Livio Capol bei den Sozialen Diensten des Kantons Graubünden tätig. Er kann sich bereits jetzt gut vorstellen später als wissenschaftlicher Mitarbeiter oder Dozent den Wechsel in die Wissenschaft anzugehen. Auch ein Doktoratsstudium schliesst er nicht aus. «Das Masterstudium hat mir eine sehr gute Grundlage gegeben, um später mal in die Wissenschaft zu gehen. Wir haben im Master immer wieder kleinere Forschungsprojekte umgesetzt», sagte er. Zudem konnte er in seinem Masterstudium auch wertvolle Erfahrungen für die Praxis sammeln sowie zusätzliches Know-How und Fachwissen erwerben.
Warum überhaupt Soziale Arbeit studieren?
Als Livio Capol sich bei seinem Arbeitgeber einige Tage krankmelden musste, wartete nach seiner Rückkehr eine Flut von Mail- und Telefonanfragen auf ihn. In dem Moment wäre er am liebsten weggelaufen. Da habe er sich selbst gefragt, weshalb macht er diesen Job überhaupt? Doch dann wurde ihm klar, dass er es für die Menschen mache. «Ich mag Menschen gerne und möchte sie in ihrem Leben begleiten und für sie da sein.» Er bedankte sich an dieser Stelle auch bei seinen Mitabsolvierenden, dass sie sich für den Weg in die Soziale Arbeit oder Sozialpädagogik entschieden haben und dadurch auch dafür, in irgendeiner Form soziale Ungerechtigkeit und Ungleichheit versuchen auszugleichen und zu bekämpfen.
Sozialarbeitswissenschaft braucht sich nicht zu verstecken
In seiner Masterarbeit setzte sich Livio Capol mit der Frage auseinander, ob Bezugswissenschaftler:innen die Sozialarbeitswissenschaft als eine Wissenschaft betrachten, die ihrer eigenen Disziplin ebenbürtig ist und welche Faktoren diese Wahrnehmung beeinflussen. Dazu hatte er 2000 Bezugswissenschaftler:innen aus verschiedenen Regionen der Schweiz und dem Ausland quantitativ befragt. Die Befragungen führte er in vier Sprachen durch (Deutsch, Französisch, Italienisch und Englisch). Das Resultat erstaunte ihn: «Die absolute Mehrheit der Befragten hat angegeben, dass sie die Sozialarbeitswissenschaft als ebenbürtige und echte Wissenschaft betrachten. Am meisten hat mich erstaunt, dass die Naturwissenschaftler:innen uns am häufigsten als Wissenschaft eingeschätzt haben. Mehr noch als die Sozialwissenschaftler:innen», sagte Livio Capol. Daraus schloss er, Sozialarbeitende brauchen sich vor anderen Disziplinen nicht zu verstecken, sondern dürften ruhig stolz auf ihre Wissenschaft sein.
Netzwerkpflege an drei Schulstandorten
Am meisten schätzt Capol am Master die grosse Wahlfreiheit. «Ihr könnt eure Module selbst zusammenstellen und jene Themen wählen, die euch interessieren», sagte er. Er habe auch die Kooperation zwischen den drei Standorten HSLU, BFH und OST sehr geschätzt. Beim Masterstudium können Vorlesungen an allen drei Hochschulen besucht werden, was er auch getan habe. «Dadurch kenne ich nun Studierende und Dozierende von allen drei Hochschulen und kann von diesem grossen Netzwerk bis heute profitieren», sagte Livio Capol.
Fachpersonen sind notwendig, um den Wandel aktiv zu gestalten. Der Master in Sozialer Arbeit der BFH, HSLU und OST befähigt dazu, die Komplexität zu meistern. Die Kooperation der drei Hochschulen bietet zahlreiche Optionen in der Studienplanung und beruflichen Entwicklung nach dem Abschluss.
Möchten Sie komplexe soziale Probleme lösen, Ihr Arbeitsgebiet weiterentwickeln oder die Wirkung sozialarbeiterischer Interventionen erforschen? Der Master in Sozialer Arbeit bereitet Sie auf verantwortungsvolle strategische und konzeptionelle Aufgaben im Non-Profit- und Verwaltungssektor vor.
Die Masterarbeit ist in der Soziothek publiziert und kann dort eingesehen werden:
https://www.soziothek.ch/soziale-arbeit-als-ernstzunehmende-wissenschaft-

