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#MiSA - Report: «Der Master gibt Zugang zu beruflichen Positionen, wo strukturelle Veränderungen angestossen werden können.»

Tatiana Pinto Cardoso co-leitet eine Abtei­lung der Dienst­stelle Gesell­schafts­fragen der Stadt St.Gallen. Zudem ist sie als Lehr­be­auf­tragte an der OST – Ostschweizer Fach­hoch­schule im Bachelor Soziale Arbeit tätig und amtet als Stadt­par­la­men­ta­rierin für die SP Stadt St.Gallen. Im Inter­view erzählt sie aus ihrem Berufs­alltag und weshalb sie sich nach dem Bache­lor­stu­dium für den konse­ku­tiven Master in Sozialer Arbeit entschieden hat.

  • #MiSA - Report: «Der Master gibt Zugang zu beruflichen Positionen, wo strukturelle Veränderungen angestossen werden können.»

Tatiana, du bist Co-Leiterin der Abtei­lung «Grund­lagen – Kontrakte – Projekte» der Dienst­stelle Gesell­schafts­fragen der Stadt St.Gallen. Das klingt sehr abstrakt, wie sieht dein Arbeit­salltag aus?

In unserer Abtei­lung sind wir für die gesetz­lich vorge­ge­benen Aufgaben zuständig. Einen Teil, wie beispiels­weise das Schul­wesen oder der öffent­liche Verkehr, setzt die Stadt selbst um. Für gewisse Aufgaben, die die Stadt nicht selbst umsetzt, vergeben wir Aufträge an Orga­ni­sa­tionen, so beispiels­weise im Bereich Alterspflege oder die fami­li­energänzende Kinder­be­treuung. Eben­falls entstehen daraus viele kleine Projekte wie das Projekt «kinder­freund­liche Stadt», der jährliche Begeg­nungstag oder die Alter­ss­tra­tegie der Stadt, um nur einige zu nennen. Mein Fach­be­reich ist «Familie, Kind und Gender». Da beschäftige ich mich unter anderem mit Themen zu Bera­tungs­stellen oder Kinder­be­treuung.

Was gefällt dir beson­ders gut dabei?

Mein Gestal­tungs­spiel­raum ist sehr gross. Wenn ein Projekt umge­setzt wurde, ist das Ergebnis für 80'000 Menschen, der Bevölkerung von St.Gallen, sicht- und oder spürbar. Es braucht jeweils seine Zeit, aber die Wirkung einer Umset­zung ist riesig. Das macht Freude und moti­viert mich immer wieder von Neuem.

Was würdest du aktuell als grösste Heraus­for­de­rung in deiner Tätigkeit benennen?

Das grösste Span­nungs­feld ist wahr­schein­lich die Erwar­tung der Bevölkerung und wie wir das umsetzen können. Gerade in der Verwal­tung müssen wir uns mit teil­weise langen Entschei­dungs­wegen sowie lang­samen Struk­turen ausein­an­der­setzen. Gewisse Prozesse müssen zwin­gend durch­laufen werden. Das ist auch für die Stake­holder eine Heraus­for­de­rung. Ein Antrag zur Erhöhung von Subven­tionen beispiels­weise benötigt rund ein Jahr Vorlauf­zeit und umfasst viele Prozesse und Abläufe, die stel­len­weise kompli­ziert gestaltet sind.

Was hat dich dazu bewogen, den konse­ku­tiven Master zu absol­vieren? Was war die Moti­va­tion dazu?

Da kann ich mich noch sehr gut daran erin­nern! Ich star­tete damals gerade mit dem ersten Prak­tikum im Bache­lor­stu­dium, das ich in einer Orga­ni­sa­tion absol­vierte, wo Kinder wochen­tags betreut wurden. Die effek­tive Begleit­zeit war sehr kurz und wir Mitar­bei­tenden hatten wenig Möglich­keiten, nach­haltig posi­tiven Einfluss zu nehmen. Die sozialen Struk­turen konnten wir in der Betreuung nicht ändern, das hat mich sehr frus­triert und diese Erkenntnis hat mich geprägt. Im zweiten Prak­tikum, das ich im Bereich der Verwal­tung durch­laufen habe, regis­trierte ich den grösseren Hand­lungs­spiel­raum. Mir ist klar geworden, dass ich mit dem Master zu ganz anderen beruf­li­chen Posi­tionen Zugang erhalte, wo ich viel eher etwas bewegen kann. Ich wollte damals gefühlt die Welt verändern, und ohne Master blieben mir viele Stellen verwehrt. Bei uns auf der Dienst­stelle beispiels­weise ist ein abge­schlos­senes Hoch­schul­stu­dium und für gewisse Stellen ein Master­stu­dium Pflicht. An einer mündli­chen Bache­lorprüfung fragte mich eine dama­lige Dozentin dann direkt an, ob ich nicht Inter­esse am Master­stu­dium hätte. Zusammen mit den gewon­nenen Erkennt­nissen war mir dann klar, dass dies der rich­tige weitere Weg für mich ist.

Seit Oktober 2024 bist du als Co-Leiterin der Dienst­stelle für Gesell­schafts­fragen der Stadt St.Gallen tätig. Würdest du also sagen, dass dich der Master bei der Errei­chung dieses Karrie­re­schritts unterstützt hat?

Auf jeden Fall! Ohne das Master­stu­dium wäre ich jetzt karrie­re­tech­nisch nicht an dem Punkt, wo ich jetzt stehe.

Kannst du das genauer benennen?

Ich erlangte noch­mals zusätzli­ches Know-how und damit überhaupt die Quali­fi­ka­tion für viele Joban­ge­bote mit grösserem Einfluss­be­reich. Nach dem Master­stu­dium war ich defi­nitiv für anspruchs­volle Tätigkeiten gerüstet, wo gesell­schafts­po­li­ti­sche Themen ange­gangen werden können. Die Soziale Arbeit hat leider für manche Menschen diesen «Stempel», dass sie diese als keine rich­tige Profes­sion ansehen. Mit dem Master können sich die Studie­renden zusätzlich empo­wern und eine andere Aussen­wir­kung als Person und Profes­sio­nelle der Sozialen Arbeit erzeugen.

Du bist auch als Lehr­be­auf­tragte im Bachelor Soziale Arbeit an der OST tätig und bist so in Kontakt mit Studie­renden. Wem würdest du empfehlen nach dem Bachelor auch noch das Master­stu­dium zu absol­vieren?

Das ist jeweils sehr indi­vi­duell. Wenn jemand das Bache­lor­stu­dium schon sehr span­nend fand und sich noch nicht ganz fest­legen möchte, in welche Rich­tung der Sozialen Arbeit es gehen könnte, da macht das Master­stu­dium auf jeden Fall Sinn. Ganz klar sinn­voll und sogar notwendig ist der Master, wenn eine akade­mi­sche Karriere ange­strebt wird. Wer den konse­ku­tiven Master absol­viert, erhält einen vertief­teren Einblick in die Materie und wird optimal auf eine allfällige spätere Leitungs­funk­tion vorbe­reitet.

Herz­li­chen Dank fürs Gespräch, liebe Tatiana!

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